VBC HOW
Fotoquelle: Stefan Lorenz
Fotoquelle: Stefan Lorenz
Der Morgen danach. Man öffnet mühsam ein Auge, tastet sich vorsichtig durch das Muskelpanorama des eigenen Körpers – alles tut weh. Knie, Rücken, sogar der kleine Zeh meldet sich zu Wort. Was war gestern noch gleich? Ach ja – Derbytime beim VBC HOW!
Die Halle war rappelvoll, die Stimmung am Überkochen, und selbst hoher Besuch von den Azoren hatte sich unters Publikum gemischt. Beide Teams traten mit voller Besetzung an – bei HOW 2 so komplett, dass sogar das verstaubte zweite Liberodress aus dem Schrank gezerrt wurde. Spätestens da wusste jeder: Das wird kein gemütlicher Trainingsabend, das wird ein Volleyball-Krimi mit Ansage.
HOW 1 startete furios – und für HOW 2 ehrlich gesagt etwas zu furios. Druckvolle Smashs über Aussen und Diagonal setzten die Blockabwehr mächtig unter Druck. HOW 1 war immer eine Nasenlänge voraus, und schnell wurde klar: Das wird kein Spaziergang. Der Coach reagierte früh und brachte einen Rückkehrer aus der Talentschmiede HOW 2 aufs Feld. Die Fans tobten – und erwarteten ein Feuerwerk. Doch dann folgte der Moment, über den noch lange gesprochen werden wird: Der erste Service des Rückkehrers segelte doch tatsächlich nicht ins Netz, sondern unter das Netz. Das Publikum schwankte zwischen Fassungslosigkeit und herzhaftem Gelächter. Die Volleyballpause war wohl etwas zu lang – oder war es einfach Nervosität angesichts des hohen Besuchs? HOW 1 liess sich nicht beirren und gewann den Satz verdient mit 25:20.
Die Ansprache des Coaches in der Satzpause war kurz, aber offenbar wirksam. HOW 2 trat konzentrierter auf, ruhiger, präziser. Besonders im Service zeigten sie nun Zähne – strategisch clever wurde der gegnerische Libero immer wieder direkt angespielt. Die Annahme von HOW 1 geriet ins Wanken, der Spielaufbau verlor an Struktur. HOW 2 nutzte die Schwächen gnadenlos aus und entschied den Satz deutlich mit 25:16. Ausgleich – das Derby war wieder offen.
Nun stand wieder alles auf Null. HOW 1 sammelte sich, und es entwickelte sich ein Satz auf Augenhöhe. Ein intensives Side-Out-Spiel, das keinem Team mehr als zwei Punkte Vorsprung erlaubte. Bei HOW 2 merkte man, dass einige Trainings in letzter Zeit eher theoretisch stattgefunden hatten – in Form von Diskussionen über Wein, Fitness oder Taktik. Dennoch hielt die Routine stand: In der entscheidenden Schlussphase zeigten die Altmeister, dass Erfahrung eben doch den entscheidenden Punkt ausmacht. Mit 25:21 holte sich HOW 2 den Satz und damit die Führung.
HOW 2 nun im Hoch, HOW 1 unter Zugzwang. Der erfahrene Libero durfte verschnaufen, und der Jungspund, eigentlich ein Angriffsspieler, streifte das Liberodress über – und machte seine Sache erstaunlich gut. Doch HOW 2 wusste: Dieser Satz musste sitzen. Ein fünfter Durchgang war bei dem Altersdurchschnitt und dieser Spielintensität keine attraktive Option. Also wurden die letzten Energiereserven mobilisiert. Mit druckvollen Mittelangriffen, präzisen Services und schnellen Verteidigungsaktionen brachte HOW 2 den Gegner an den Rand der Verzweiflung. In der Schlussphase spielte die Routine ihre ganze Stärke aus – 25:20 – Satz, Match und Derby an HOW 2!
Ein grosses Dankeschön an HOW 1 für den intensiven Fight und die starke Leistung der jungen Spieler – sie machten das Derby zu einem echten Highlight. Doch am Ende setzte sich die Erfahrung durch, und HOW 2 bewies einmal mehr, dass die alten Knochen noch einiges draufhaben. Der Preis für die „schlechteste Aktion des Abends“ ging natürlich an den schon jetzt legendären Service unter das Netz – ein würdiger Eintrag in die HOW-Geschichtsbücher.
Wieder im Bett, zwischen schmerzenden Muskeln und zufriedener Erschöpfung, denkt man kurz zurück an die tobende Halle, die Stimmung, den Sieg. Ein leises, versöhnliches Lächeln breitet sich aus – doch halt: „Moment… am Dienstag ist ja schon wieder Match!“ man dreht sich schnell um, zieht die Decke höher und denkt: Hoffentlich reicht die kurze Erholungsphase – sonst wird das nächste Aufstehen noch spannender als das Derby selbst.