VBC HOW
Fotoquelle: Stefan Lorenz
Fotoquelle: Stefan Lorenz
Die BFO-Halle zeigte sich an diesem Freitagabend von ihrer typisch ehrlichen Seite: keine überfüllten Ränge, kein ohrenbetäubender Hexenkessel – aber genau jene treuen Fans, die man bei solchen Spielen an seiner Seite haben will. Martigny reiste wie gewohnt mit jener Stammcrew an, die man schon fast als Dauermieter des Gästebereichs bezeichnen könnte, während HOW 2 ebenfalls mit altbekannter Besetzung auflief. Auf dem Papier ein Spitzenkampf, in der Realität ein sorgfältiger Gradmesser: kein Spiel, das in der Qualifikation alles entscheidet, aber definitiv eines, das zeigt, wo man steht – und ob die Formkurve eher Richtung Gipfel oder Richtung Talstation zeigt.
Beide Teams starteten mit Tempo und Präzision, als wollten sie direkt zeigen, dass es heute kein gemütlicher Freitagabend werden würde. Martigny verteidigte herausragend, die Rallys wurden länger, und die gegnerische Nummer 11 prügelte Bälle ins Feld, die bei HOW erstens Schweissperlen und zweitens Gedanken auslösten.
HOW geriet in einen deutlichen Rückstand, und kurz vor der Moneytime sah es mit 6 Punkten Rückstand bitter aus. Der Coach reagierte, wechselte auf der Passposition – und tatsächlich kam neuer Schwung ins Spiel. Punkt um Punkt holte HOW auf, brachte sich ein erstes Mal in Br-UNO-Position… doch Martigny glich bei 25:25 erneut aus.
Dann folgte der Moment, der symbolisch für den Satz stand: Ein Aussenangreifer wollte die Line treffen – der Ball entschloss sich jedoch lieber für eine kunstvolle Kurve und segelte herrlich ins Aus. So ging der Satz mit 25:27 verloren.
Nach dem schnellen Resett knüpfte HOW an die guten Momente an – mit dem Wissen, dass heute vieles über Präzision, Timing und kluge Entscheidungen erzwungen werden musste, statt über irgendetwas, das zufällig wirkte. Der Kopf war nun frei, die Beine auch, und das Spiel wurde strukturierter.
Besonders die Angreifer setzten sich nun besser durch. Die eigene Nummer 11 kam immer mehr ins Rollen – Blockouts, harte Schläge, clevere Winkel… alles dabei. Nur einmal, als der Passeur ihm einen Ball der Kategorie „bitte unbedingt verwerten“ servierte, entschied sich die Nummer 11 für eine kreative Lösung, die allerdings ausserhalb der Spielfläche endete. Ein künstlerischer Versuch, wertgeschätzt, aber punktetechnisch leider nutzlos.
Trotz dieses Ausrutschers spielte HOW klar stärker und gewann den Satz verdient mit 25:18.
HOW war nun mental voll da, und kleinere Umstellungen im Aussenangriff sorgten für noch mehr Effizienz. Martigny seinerseits verlor etwas den Faden, denn HOW servierte druckvoll und gefährlich. Die Gäste schickten nun einige Bälle ins Aus – nicht aus Übermut, sondern aus wachsendem Stress.
HOW nutzte die Gunst der Stunde, blieb konsequent und brachte den Satz mit einer kurzen, aber entschlossenen Machtdemonstration 25:10 ins Trockene.
Gut Ding will Weile haben – und genau diese Weile brauchte auch der vierte Satz, bevor er zu HOWs Gunsten kippte. Martigny hatte sich wieder gefangen und griff zu Beginn effizienter an.
Doch HOW profitierte an diesem Abend auch vom zweiten Libero, der den erkrankten Stamm-Libero ersetzte und ein Spiel zeigte, das in keinem Ersatzspielerhandbuch vorgesehen ist. Stabile Annahmen, mutige Verteidigungen, viel Ruhe – die perfekte Basis für den Passeur, der daraufhin fast nach Belieben variieren konnte.
Die Angriffe über Aussen und vor allem über die Diagonale – die Nummer 11 in Hochform – liessen Martigny zunehmend ratlos zurück. Gegen Satzende war die Luft bei den Gästen draussen, während HOW weiterhin zielgerichtet und konzentriert punktete. Mit 25:18 wurde auch dieser Satz souverän geholt.
Damit war der Spitzenkampf entschieden – und zwar in einem Spiel, das spielerisch wie humoristisch einiges zu bieten hatte. Beim anschliessenden Apero folgte der traditionsreiche Moment der Maskottchenvergabe: Zuerst der „Verliererpreis“ – und mit einem schelmischen Lächeln ging dieser doch tatsächlich an die überragend aufspielende Nummer 11, deren missglückter Angriffsball aus Satz zwei wohl als künstlerisch wertvoll, aber sportlich ausbaufähig gewürdigt wurde. Was genau er ans Maskottchen basteln wird, bleibt gespannt abzuwarten – erfahrungsgemäss entsteht da etwas zwischen Innovation und Dekorationsrisiko.
HOW 2 hingegen nimmt aus diesem Sieg nicht nur Punkte, sondern auch Aufwind mit. Weiter geht’s am nächsten Mittwoch auswärts gegen Haut-Lac, mit der längsten Anreise der Saison und der Hoffnung, dass Form, Humor und Br-UNO-Momente auch dort wieder ins Gepäck passen.